Berlin, den 22. August 2013

Liebe Mia,
meine Date-Woche ist beendert. Obwohl Date-Woche reichlich übertrieben ist. Eigentlich waren es ja nur zwei Dates. Das erste mit dem Polohemdträger. Ein Reinfall auf ganzer Linie. Ich dachte ja erst, dass ich voll den Jackpot erwischt hätte. So hat er sich auch angepriesen, von Filmpremieren-Partys hier, steile Karriere dort und haste nicht gehört.
Der tolle Hecht wollte mich von daheim abholen und zum Date ausführen. Soweit so gut. Dann kam der Traumprinz mit der Blechkutsche. Ein Smart.
Genau, ein Smart. Nicht, dass ich ein Problem damit gehabt hätte. Aber gemessen an seinem Geschwätz, hätte da Rolls Royce anrollen müssen - und keinen Smart!
Leider bemerkte ich auch erst dann, dass der Typ der übelste Schwätzer ist und schön auch nicht. Klein, mit dezenter Plautze und leicht schiefen Zähnen. An Selbstbewusstsein mangelde es dem werten Herren jedoch ganz und gar nicht.

Ich versuchte mich zu entkrampfen und quetschte mich in das Gefährt. Der Plan war erst essen und dann ins Kino. Immerhin nahm er die Zügel in die Hand. Trotzdem entschied ich mich für die Karaffe Wein beim Inder, um es mir – beziehungsweise ihn – schön zu trinken. Klappte auch ganz gut. Obwohl schön trinken bei uns Frauen ja immer relativ ist. So etwas schaffen die Männer. Wir Frauen erreichen höchstens den Egal-Zustand. Leicht angeschwippst lauschte ich den heldenhaften Geschichten des Traumprinzen. Ausgeträumt hat es sich denn an der Kinokasse. Inder hat er übernommen. Ich bot dann, eher der Geste wegen, an den Kinoeintritt zu übernehmen. Er stimmte prompt zu. Affe. Im Kino war es erst entspannt, bis ich langsam einen körperlichen Schleichangriff von links erahnte. Erst den Arm um die Schulte, dann ein leichtes Zerren zu ihm ran. Na, toll. Mir war eh schon alles Wurscht. Also wehrte ich mich auch nicht gegen seine Knutschversuche. Im Dunkeln war die Knutscherei sogar ganz gut.  Beim Verlassen des Kinosaals bereute ich die Aktion jedoch wieder abrupt. Man, Mia, wieso mach ich so was? Bequemlichkeit? Höflichkeit? Aber man küsst doch nicht aus Höflichkeit, oder? Zumal damit auch erst die unangenehme Situation aufkam: Der gute Herr chauffierte mich in dem Prachtschlitten nach Hause. Dann hielt er vor meiner Tür und guckte mich merkwürdig von der Seite an. Sollte wohl verführend aussehen. In mir löste das nur eine Lust aus: Die aus dem Auto zu flüchten. Dann fragte der Typ doch auch noch rotzfrech, ob er mit hoch kommen dürfte. Ich war geschockt. „Heute lieber nicht! Aber nächstes Mal!“, brachte ich heraus. WHAT?!? Schon wieder so eine paradoxe Handlung von mir.“Never!“ Das wäre die richtige Antwort gewesen. Oben angekommen atmete ich erstmal tief durch und versuchte dieses Date aus meinem Gedächtnis zu löschen.

Oh Mia, die Gedanken alleine rauben mir schon jegliche Energie. Muss jetzt echt schlafen. Von meinem zweiten Date werde ich dir morgen berichten! Versprochen!

From Berlin with Love
                                      Lilly

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